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Ausgabe Juli 2026
Konzept für Ombudsstelle verabschiedet |
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| Die Ratsvorsitzende Kirsten Fehrs begrüßt Klaus Kutzer und Detlev Zander (links), beide Mitglieder des Beteiligungsforums der EKD und der Diakonie, auf dem Johannisempfang der EKD in Berlin. Foto: Agnieszka Krus |
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Liebe Leserinnen und Leser,
in dieser Ausgabe stehen zwei wichtige Maßnahmen im Mittelpunkt, die gemäß den Empfehlungen der ForuM-Studie von der EKD-Synode beschlossen wurden: die Einrichtung einer zentralen Ombudsstelle und die Arbeit an einer neuen evangelischen Sexualethik. Außerdem berichten wir unter anderem über die Konferenz der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) zum Thema sexualisierte Gewalt in Kirchen, das Vernetzungstreffen der Unabhängigen Regionalen Aufarbeitungskommissionen (URAK) und über einen Werkstatttag der Akademie der Nordkirche zu achtsamer Sprache. |
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| Das Beteiligungsforum bei seinem jüngsten Treffen in Erfurt. Foto: Frank Hofmann |
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Beteiligungsforum, Kirchenkonferenz, Rat Konzept für Ombudsstelle verabschiedet
Auf dem jüngsten Treffen des Beteiligungsforums Sexualisierte Gewalt in der EKD und Diakonie (BeFo) wurde einstimmig ein Konzept für eine zentrale, unabhängige Ombudsstelle angenommen. Die Einrichtung einer solchen Stelle ist eine der am höchsten priorisierten Maßnahmen, die die EKD-Synode 2024 als Konsequenz aus der ForuM-Studie beschlossen hat.
Die Ombudsstelle soll Betroffene sexualisierter Gewalt bei Konflikten mit kirchlichen oder diakonischen Einrichtungen beraten und unterstützen. Sie erhält keine Weisungen, sondern handelt unabhängig und im Sinne der Betroffenen parteilich und vertraulich. Die Ombudsstelle richtet sich insbesondere an Menschen, die in der Kommunikation mit den Institutionen das Gefühl haben, »festzustecken«, »gegen Wände zu rennen« oder nicht gehört zu werden. Ziel ist es, den Dialog zwischen der betroffenen Person und der kirchlichen oder diakonischen Stelle wieder zu ermöglichen. Die Ombudsstelle ist nicht zuständig für Anerkennungsverfahren und auch nicht gedacht für den Erstkontakt von Betroffenen oder deren therapeutische Begleitung. Die Kirchenkonferenz und der Rat der EKD haben jetzt dem Konzept zugestimmt und den Weg zur Vergabe freigemacht. Die entsprechenden Mittel stellen EKD und Diakonie zur Verfügung.
Außerdem beschloss das BeFo, seine Arbeitsgruppe (AG) Diakonie neu auszurichten und in AG »Unterstützung in prekären Lebenslagen für von sexualisierter Gewalt betroffenen Menschen« umzubenennen. »Die neue AG wird sich mit der Entwicklung von Unterstützungsmöglichkeiten für Betroffene in gesundheitlichen Krisen, sozialen oder existenzieller Notlagen beschäftigen«, erklärte dazu Detlev Zander von der Gruppe der Betroffenen. Diese Zielrichtung habe zugleich eine »Pilotfunktion für die Gesellschaft«. Die neue AG wird im Juli ihre Arbeit aufnehmen, wenn die Mitglieder des BeFo durch die Kirchenkonferenz und den Rat neu oder erneut bestätigt worden sind.
Die Kirchenkonferenz und der Rat der EKD haben die Mitglieder des Beteiligungsforums erneut berufen. Monika Memmel, Dorothee Wüst, Heike Springhart, Tobias Bilz und Jan Lemke sind damit für weitere zwei Jahre als Mitglieder berufen. Für Mareike Dee rückt nach vierjähriger Amtszeit Charlotte Nieße nach. Auch sie wurde für zwei Jahre berufen. Roman Shapiro wurde bereits nach einjähriger Amtszeit erneut berufen, sodass er nun in den Rhythmus der regulären Berufungen fällt. Für die Betroffenen gilt die Verlängerung der Amtszeit zunächst bis zum Ende des Jahres. Hintergrund ist, dass Anfang 2027 aus dem Kreis der Betroffenen, die seit Mai mit Gast-Status in den BeFo-AGs mitwirken, neue reguläre Mitglieder für das Beteiligungsforum zu erwarten sind. Damit sollen die Berufungszeiten synchronisiert werden, sodass Betroffene regulär zum Jahresbeginn berufen werden, während die Berufung der Beauftragten zukünftig immer im Sommer erfolgt.
Wenige Tage vor der Neuberufung hat die Diakonie Deutschland bekannt gegeben, dass die bisherige Sozialvorständin Elke Ronnenberger aus dem Dienst und aus dem BeFo ausscheidet. Ronneberger verstand es, zwischen den Interessen der dakonischen Verbände und den Betroffenen einfühlsam zu vermitteln. Wer ihr für die Diakonie nachfolgen wird, war zum Redaktionsschluss noch nicht bekannt.
Der Ausschuss Diakonie und die Kirchenkonferenz der EKD haben Änderungsvorschläge am Entwurf der Orientierungshilfe beschlossen. Die Vorschläge werden nun zurück an das Beteiligungsforum und die Vorsitzenden der Anerkennungskommissionen zur weiteren Beratung gegeben. Das Ergebnis wird anschließend erneut der Kirchenkonferenz und dem Ausschuss Diakonie vorgelegt.
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Charlotte Nieße neu im BeFo
Mareike Dee scheidet turnusmäßig aus.
Die Leiterin der Fachstelle Sexualisierte Gewalt in der Landeskirche Hannovers, Mareike Dee, hat bislang die PIH-K, die Konferenz der Vertretungen aller Fachstellen in Landeskirchen und Landesverbänden, im BeFo vertreten. Sie ist zum Juli 2026 turnusmäßig ausgeschieden. An ihrer Stelle wird jetzt Charlotte Nieße, die Fachstellenleiterin der Evangelischen Kirche in Westfalen, die PIH-K vertreten. Über ihre Motivation sagt sie:
»Ich möchte mich im BeFo engagieren, um meine Perspektive als Beauftragte für den Umgang mit Verletzungen der sexuellen Selbstbestimmung der Evangelischen Kirche von Westfalen einzubringen. Im BeFo bin ich eine der beiden Vertretungen aus der PIH-K. Als Kriminologin verfüge ich über Erfahrungen aus wissenschaftlichen sowie polizeilichen Arbeitskontexten, die meinen Blick auf Prävention, Aufarbeitung und strukturelle Weiterentwicklung prägen. Mir ist es ein Anliegen, diese Expertise in die gemeinsame Arbeit einzubringen und an der Weiterentwicklung wirksamer Schutz- und Beteiligungsstrukturen innerhalb der EKD mitzuwirken.«
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| Tobias Faix beschäftigt sich als Praktischer Theologe besonders mit den kirchlichen Auswirkungen gesellschaftlcher Veränderungsprozesse. Zusammen mit Thorsten Dietz veröffentlichte er jüngst »Wege zur Liebe –eine Sexualethik zum Selberdenken«. Foto: Jens Schulze/epd |
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Fragen an Tobias Faix zur neuen Sexualethik »Orientierung geben, ohne zu vereinfachen«
Tobias Faix ist Professor für Praktische Theologie an der Evangelischen Hochschule Hessen und leitet zusammen mit Landesbischöfin Christina-Maria Bammel und Gerhard Schreiber eine Projektgruppe des Kammernetzwerks der EKD, die eine neue evangelische Sexualethik ausarbeiten soll. Dies ist eine der Maßnahmen, die sich aus den Empfehlungen der ForuM-Studie ableiten und 2024 von der Synode beschlossen wurden.
Die letzte Denkschrift der EKD zur Sexualethik erschien vor über 50 Jahren. Darin wird Homosexualität noch als »Störung« und »Fehlform« bezeichnet. Fanden Sie darin dennoch Gedanken, die Sie für einen Neuentwurf übernehmen konnten?
Ich empfehle tatsächlich, die Denkschrift von 1971 heute noch einmal zu lesen – nicht, weil ich sie inhaltlich für richtig halte, sondern weil sie deutlich macht, wie stark Sexualethik an historische und gesellschaftliche Kontexte gebunden ist. Beim Lesen werden sowohl eher konservative als auch eher liberale Menschen an verschiedenen Stellen irritiert sein – etwa bei den Aussagen zu Homosexualität, zu Sexualität vor der Ehe oder bei der damaligen Debatte darüber, dass Sexualität nicht mehr ausschließlich auf Fortpflanzung und Ehe bezogen gesehen wurde. Die Denkschrift wurde damals von vielen als eine Öffnung der Kirche im Blick auf Sexualität wahrgenommen, zugleich aber auch scharf kritisiert, weil sie manchen bereits als zu liberal galt. Daraus können wir lernen, dass Fragen der Sexualität eine enorme biografische, gesellschaftliche und kirchliche Bedeutung zugeschrieben wird. Sexualethische Debatten berühren Identität, Beziehungen und persönliche Lebensgeschichten in besonderer Weise. Heute erleben wir diese Dynamik durch soziale Medien noch einmal deutlich verstärkt. Deshalb ist uns wichtig, solche Fragen differenziert, sensibel und dialogfähig zu bearbeiten.
Gibt es so etwas wie eine grundlegende Haltung, von der Sie für eine evangelische Sexualethik ausgehen?
Wenn ich auf die Diskussionen um Sexualethik seit 1971 innerhalb der evangelischen Kirche schaue, dann würde ich zunächst für eine Haltung der Demut plädieren. Evangelische Sexualethik steht heute vor der Herausforderung, Orientierung zu geben, ohne die komplexen Wirklichkeiten menschlicher Sexualität zu vereinfachen. Sexualität gehört zu den tiefsten Ausdrucksformen menschlicher Existenz. Sie ist mit Sehnsucht, Lust, Identität, Körperlichkeit, Scham, Beziehung, Macht, Verletzlichkeit und Hoffnung verbunden. Zugleich ist sie geprägt von gesellschaftlichen Normen, biografischen Erfahrungen, kulturellen Zuschreibungen und strukturellen Machtverhältnissen. So arbeiten wir an einer Sexualethik »trotz, angesichts und wegen« sexualisierter Gewalt. Sexualethik bewegt sich daher immer im Kontext brüchiger, verletzlicher und oft versöhnungsbedürftiger Beziehungen. Sexualität gibt es nicht »nackt«, sondern immer kulturell, sozial und biografisch vermittelt bzw. eingebettet. Eine evangelische Sexualethik muss diese Ambivalenzen ernst nehmen und zugleich fragen: Was macht eine evangelische Sexualethik eigentlich evangelisch? Reformatorische Theologie weiß um die Gleichzeitigkeit von Freiheit und Gebrochenheit, von Würde und Schuld, von Sehnsucht und Gefährdung. Menschen leben nie außerhalb von Körperlichkeit, Geschichte, Macht und Beziehung. Daraus ergibt sich für uns eine Haltung, die weder moralisierend vereinfacht noch beliebig wird, sondern versucht, verantwortete Orientierung inmitten komplexer Lebenswirklichkeiten zu ermöglichen.
Von einer Ethik erwartet man normalerweise normative Aussagen. Funktioniert das bei diesem Thema überhaupt?
Das ist eine wichtige und zugleich schwierige Frage. Gerade im Blick auf die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt brauchen wir normative Aussagen und verbindliche ethische Rahmenbedingungen, die dem Schutz vor sexualisierter Gewalt dienen. Es gibt aus meiner Sicht durchaus grundlegende theologische Orientierungen: Jeder Mensch ist Ebenbild Gottes – unabhängig von sexueller Orientierung, geschlechtlicher Identität oder biografischer Situation. Wir verstehen Menschen als relationale Wesen, daraus ergeben sich auch für eine evangelische Sexualethik zentrale Kriterien wie Treue, Verbindlichkeit, Verantwortung, gegenseitige Achtung und Verlässlichkeit. Freiheit ist dabei nie losgelöst von Verantwortung zu denken. Zugleich spielt die Leiblichkeit des Menschen eine zentrale Rolle: Sexualität betrifft sowohl Lust und Begehren als auch Vulnerabilität, Macht und mögliche Grenzverletzungen. Deshalb wird der neue Text sowohl deskriptive Beschreibungen pluraler evangelischer Lebenswirklichkeiten enthalten als auch Kriterien normativer Orientierung formulieren. Sie sollen der persönlichen und gemeinschaftlichen Schärfung der Urteilskraft dienen.
Steht die Prävention sexualisierter Gewalt dabei im Vordergrund?
Ja, dieses Thema spielt eine zentrale Rolle. Es gehört für uns selbstverständlich zur Gesamtanlage der Arbeit, dass Menschen aus dem Beteiligungsforum aktiv an diesem Prozess mitwirken und ihre Perspektiven zur Geltung bringen. Ihre Erfahrungen sind für eine glaubwürdige evangelische Sexualethik unverzichtbar. Sexualität ist zugleich etwas Wunderbares und etwas Gefährdetes. Themen wie Sexismus, MeToo und sexualisierte Gewalt gehören deshalb notwendig in jede gegenwärtige sexualethische Reflexion hinein. Gleichzeitig ist Sexualethik nicht identisch mit sexualisierter Gewalt. Entscheidend ist vielmehr, dass sexualisierte Gewalt als Querschnittsdimension systematisch mitgedacht wird – sowohl im Blick auf Machtstrukturen als auch hinsichtlich Prävention, Schutzkonzepten und Betroffenenperspektiven. Nur so kann eine glaubwürdige Orientierung entstehen.
Welche Form soll die neue Sexualethik haben?
Es wird vermutlich keine klassische Denkschrift werden … (lacht). Gerade aus den Lernprozessen der vergangenen Jahrzehnte heraus versuchen wir vielmehr, unterschiedliche Prozesse und Perspektiven auf EKD-Ebene miteinander zu verknüpfen und aufeinander zu beziehen. Neben der Arbeit an der Sexualethik gehören dazu die Fragen nach Standards sexueller Bildung, die Auseinandersetzung mit Kirche und Macht, die theologische Reflexion sexualisierter Gewalt oder auch die Arbeit der Projektgruppe Transidentität. In all diesen Prozessen ist das Beteiligungsforum eingebunden. Gegenwärtig arbeiten wir daran, gemeinsam mit den unterschiedlichen Beteiligten einen Rahmentext zu entwickeln, der eine gemeinsame Haltung aller Arbeitsprozesse offenlegt und unter dem dann die einzelnen thematischen Texte veröffentlicht werden können.
Wie viele Menschen aus welchen Bereichen arbeiten in der Arbeitsgruppe mit, und bis wann wollen Sie fertig werden?
An dem Prozess sind derzeit etwa 20 Personen aus Theologie, Kirche, Diakonie und dem Beteiligungsforum beteiligt. Hinzu kommen interdisziplinäre Expert*innen, die je nach Fragestellung ergänzend hinzugezogen werden. Die Leitung liegt bei Christina-Maria Bammel, Gerhard Schreiber und mir, begleitet durch Steffen Merle vom Kirchenamt der EKD. Außerdem nehmen regelmäßig Vertreter*innen des Rates der EKD sowie Personen aus parallelen Arbeitsprozessen zum Themenfeld Sexualität teil. Dadurch entsteht ein bewusst breit angelegter und interdisziplinärer Austausch. Insgesamt ist es also ein komplexer, vielschichtiger und zugleich sensibler Prozess, der Zeit, Sorgfalt und unterschiedliche Perspektiven braucht.
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»Kirche muss ein Ort sein, an dem Menschen sicher sind. Der Schutz vor sexualisierter Gewalt ist deshalb keine Zusatzaufgabe, sondern gehört ins Herz unseres kirchlichen Auftrags.«
Rita Famos, Präsidentin der GEKE und der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz |
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| In Warschau kamen Vertreter*innen von über 40 Kirchen zusammen, um sich über ihre Erfahrungen mit Schutzmaßnahmen auszutauschen. Foto: GEKE |
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Konferenz protestantischer Kirchen in Europa Gemeinsam gegen sexualisierte Gewalt
Der Umgang mit sexualisierter Gewalt beschäftigt derzeit viele Kirchen in Europa: in der Aufarbeitung und Anerkennung wie auch in der Prävention und in der Intervention bei Verdachtsfällen. Die 9. Vollversammlung der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) rief 2024 in Sibiu die Mitgliedskirchen dazu auf, Bewusstsein für sexualisierte Gewalt zu schaffen und Maßnahmen dagegen zu ergreifen. Grundlage dafür ist unter anderem die Resolution 2533 des Europarates, die auch den Missbrauch im kirchlichen Kontext anspricht.
Vom 19. bis 21. Juni 2026 kamen daher in Warschau erstmalig Vertreter*innen aus mehr als 40 evangelischen Kirchen in Europa zusammen, um Erfahrungen mit Schutzmaßnahmen auszutauschen, sie für ihren Kontext auszuwerten und Netzwerke zu bilden, um sich bei der Umsetzung bewährter Konzepte zu unterstützen. Auch aus den evangelischen Landeskirchen nahmen zahlreiche Fachpersonen an der Konferenz teil. Der Schwerpunkt der Konferenz lag auf den Aspekten Prävention und Intervention; die Konferenz bildet den Auftakt für einen mehrjährigen Umsetzungsprozess.
Die Konferenz wurde in Kooperation mit der schweizerischen Guido-Fluri-Stiftung durchgeführt. Diese hat die europäische »Justice Initiative« ins Leben gerufen mit dem Ziel, den Kinderschutz umfassend zu verbessern. Die Initiative setzt sich dafür ein, dass in allen Ländern Europas der Missbrauch an Kindern, wie er insbesondere auch in staatlichen und kirchlichen Institutionen stattgefunden hat, umfassend aufgearbeitet und anerkannt wird.
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Vernetzungstreffen von URAKs und BeFo
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Ende April hat in Wolfsburg das erste präsentische Vernetzungstreffen von Betroffenen aus den neun Unabhängigen Regionalen Aufarbeitungskommissionen (URAKs), ihren Betroffenenvertretungen und Betroffenen aus dem Beteiligungsforum Sexualisierte Gewalt in der EKD und Diakonie (BeFo) stattgefunden. Dieses Format ist ein fester Bestandteil der Gemeinsamen Erklärung, die im Dezember 2023 durch UBSKM, EKD und Diakonie Deutschland unterzeichnet wurde.
Die Planung der Veranstaltung übernahm eine Gruppe von Betroffenen aus den URAKs, den Betroffenenvertretungen und dem BeFo. EKD und Diakonie Deutschland unterstützten bei der organisatorischen Ausführung.
Ziele des Vernetzungstreffens waren das gegenseitige Kennenlernen sowie ein verbundübergreifender Austausch zur Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt und der Arbeit der URAKs. Aus allen neun URAK-Verbünden und dem Beteiligungsforum waren Betroffene anwesend und sind innerhalb des Plenums sowie in Gruppengesprächen zu selbstgewählten Themen ins Gespräch gekommen. Das eintägige Vernetzungstreffen wurde durch ein externes Awareness-Team und eine externe Moderation begleitet.
Während der Amtslaufzeit der URAKs wird es auch zukünftig jährliche, präsentische Vernetzungstreffen geben, die gemeinsam durch Betroffene geplant werden. Merit Adamietz
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| Nancy Janz von der Fachstelle Sexualisierte Gewalt in der Bremischen Evangelischen Kirche und Kristine Augst, Direktorin des Amtes für kirchliche Dienste der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, bei ihren Vorträgen auf dem Werkstatttag. Fotos: Susanne Garsoffky |
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Werkstatttag der Akademie der Nordkirche Sprache kann heilen – oder verletzen
Sprache kann heilen – oder verletzen. Unter diesem Leitgedanken erkundeten rund 40 Teilnehmende eines Werkstatt-Tages der Nordkirche, wie sie in Gottesdiensten und spirituellen Räumen achtsam mit Erfahrungen von Macht und Ohnmacht umgehen können. Geplant hatten das anspruchsvolle Programm unter anderem die Evangelische Akademie der Nordkirche, das Gottesdienstinstitut der Evangelischen Kirche in Norddeutschland, die Stabsstelle Prävention der Nordkirche und das Christian Jensen Kolleg in Breklum.
Ziel der sehr unterschiedlichen Workshops dieses Werkstatttages war es herauszufinden, ob Sprache Menschen mit Erfahrungen von Gewalt und sexualisierter Gewalt in Kirche Raum geben kann, ohne zu überfordern. »Durch die intensive Beschäftigung mit dem Thema Gewalt und sexualisierter Gewalt in der Evangelischen Kirche wurde uns deutlich, welch ein machtvolles Instrument die Sprache ist. Mit diesem Werkstatt-Tag wollten wir deshalb diejenigen in ihrer Arbeit unterstützten, die spirituelle Angebote in unserer Kirche und ihren Einrichtungen gestalten. Besonders wichtig war uns aber vor allem, dass sich Menschen mit eigener Gewalterfahrung in Gottesdiensten und Andachten zu Hause fühlen können«, erklärt Pastorin Maike Lauter-Pohl, Studienleiterin für Gesellschaft und Religion der Evangelischen Akademie der Nordkirche.
Gleich zu Beginn ergriffen Betroffene selbst das Wort, unter anderem der evangelische Pfarrer im Ruhestand und Mitglied des BeFo, Matthias Schwarz. Sie setzten mit ihren eindringlichen Impulsen einen achtsamen Ton, den Kristine Augst, Direktorin des Amtes für kirchliche Dienste der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, in ihrem Vortrag weiterführte. Einfühlsam lotete sie Möglichkeiten einer sensiblen Gottesrede aus, die auch für Menschen mit Gewalterfahrungen stimmig sein könnte.
In den anschließenden Workshops bot sich den Teilnehmenden dann die Gelegenheit, selbst den Umgang mit macht- und traumasensibler Sprache in unterschiedlichen Zusammenhängen auszuprobieren. Dabei stand die Gestaltung traumasensibler Gottesdienste genauso im Fokus wie die Abendmahlsfeier, die Gestaltung einer Rassismus-kritischen Spiritualität und der Blick auf neue und alte Kirchenlieder. Wichtig war allen Workshop-Leitenden, ein Gefühl dafür zu wecken, wie und wann Sprache Unsicherheiten auslöst. Die Teilnehmenden aus den verschiedenen Bereichen der Evangelischen Kirche – Ehrenamtliche wie Hauptamtliche – zogen nach dem Tag eine überwiegend positive Bilanz. „Es ist aber auch deutlich geworden, dass die Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt und sexualisierte Gewalt in unserer Kirche weitergehen muss“, fasste Maike Lauther-Pohl die Reaktionen zusammen.
Ein nächster Termin zur Beschäftigung mit diesem Thema steht auch schon fest: Für den 10. und 11. März 2027 plant das Team des Werkstatt-Tages eine Fachtagung zu macht- und gewaltsensibler christlicher Theologie. Intention ist es auch hier, mit den Erkenntnissen der ForuM-Studie von 2024 und der bis dahin gesammelten Erfahrungen aus dieser und ähnlichen Veranstaltungen weiterzuarbeiten. Für alle Interessierten gibt es darüber hinaus auch einen Reader zum Werkstatt-Tag mit weiterführender Literatur und wichtigen Links zum Thema. Susanne Garsoffky
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Medientipps
Offene Worte von Detlev Zander und interessante Podcast-Folgen
In der Open-Access-Zeitschrift Streit-Kultur hat Detlev Zander, Mitglied der Betroffenengruppe im BeFo, in einem Interview deutlich gemacht, wie er die Machtverhältnisse in der EKD empfindet. Insbesondere kritisiert er, dass nach seiner Ansicht Probleme oft »wegtheologisiert« würden. In der Podcast-Reihe »thema statt tabu« der Unabhängigen Aufarbeitungskommissionen für die Regionen des Bistums Münster sind zwei bemerkenswerte Folgen erschienen: zum einen ein Gespräch mit dem Rechtsanwalt Ulrich Wastl über Täternetzwerke, zum anderen ein Interview mit dem Rechtswissenschaftler Stephan Rixen über die fehlende Sensibilität im Umgang mit Betroffenen in staatlichen und institutionellen Verfahren.
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Anna-Lena Franke und Frank Hofmann. Foto: Jens Schulze
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